ap_34035_dsc_7718_2Fühlen. Existentiell? Besser, inhärent irreal, geradezu phantastisch! Quasi doch existenzlos? Verloren in seichten Strömen mangelnder Aufmerksamkeit. Eingezwängt in viel zu enge, selbsterschaffene Kanäle – ausgetrocknet. System. Folge leisten, korrigieren, optimieren. Unterworfen als Sklave aus eigenen Stücken, Technokratie. Ein Treppenabsatz zum Faschismus. Eingliedern in den Wahn der Fiktion, auf der Suche nach Profilierung, unaufhaltsames Aufsaugen. Können das, Merkmale einer angeblich sogar funktionierenden Gesellschaft sein? Ein verkümmertes, vielleicht sogar verschwundenes Reflexionsvermögen ist augenscheinlich der Nährboden auf dem sie gedeiht. Fügen. Auch nur ein Teil des Ganzen. Etwas noch besorgniserregendes hat seinen Lauf genommen. Selbstbeschneidung, weder asketisch, noch destruktiv. Perverser Weise sogar zum Zwecke des exakt Entgegengesetzten.
Funktionieren, wie eine Maschine. Keine Fehler. Fehler… unkalkulierbar, unbeherrschbar, beängstigend?;= autoritär, Debatte beendet.
Doch was gilt als Fehler? Persönliche Freiheit, dass höchste Gut der Demokratie, ohnehin schon immer. Nun sind es also Gefühle – zu unvorhersehbar, als das sie noch in diese Gesellschaft passen könnten? Irrationalität, ein Schlagwort das sich Diesseits unabdingbar an den Begriff der Empfindungen gehängt hat. Hält der Mensch sich tatsächlich für so intelligent, dass er sich mit seinem eigenen Verhalten überwerfen kann? Wieso kokettiert man sich mit der Maschinerie? Es scheint unverständlich, es bleibt es auch – Marionettierung, man will benutzt werden,
jedoch nicht emotional.

„Sorrow and solitude, these are the precious things..“ [sic]

Liebe. Existentiell? Bisher (noch) nicht widerlegt, verloren scheint sie dennoch. Demographische Wandel heißt es, schocken, sind aber selbst heraufbeschworen. Einsamkeit wird forciert, mittlerweile als Normalität anerkannt. Menschen erzählen stolz von ihrer ungewohnten Unabhängigkeit, um sich auf der anderen Seite der nächsten gesellschaftlichen Verpflichtung anzubiedern. Es entstehen eklatante Brüche zwischen Berufsleben und Gefühlswelt. Miteinander leben. Die nächste Absurdität. Arbeiten hat längst die Liebesbeziehung an Bedeutung überholt. Zeit um Gefühle zu entwickeln ist praktisch nicht vorhanden. Man arbeitet und man erholt um zu arbeiten, circulus vitiosus. Dadurch gehen nicht nur unzählige Partnerschaften kaputt, der Glaube an sie generell wird immer geringer. Menschen trauen Menschen nicht, die einfache Erklärung dafür, dass es scheinbar fiktive Konstrukte braucht, um Sicherheit zu erlangen. Sicherheit. Menschen fürchten keine Bedrohungen, sie akzeptieren, jedoch nicht emotional.
Beziehungen werden zurechtgestutzt auf ein überschaubares Maß. Man scheint freiwillig auf ihre expressive Seite verzichten zu können. Man gleicht sie an. Doch Gefühle kann man nicht steuern, geschweige denn kontrollieren. Spontaneität, Leidenschaft und Hingabe erfordern Mut zum Risiko. Eine Eigenschaft die auszusterben scheint. Es ist falsch, wird überall transportiert – der erfolgreiche Versuch eigenständiges Denken zu brechen. Der Erfolgreiche,
und nur ein Treppenabsatz zum Faschismus.

Robert Iwanetz

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