ap_19976_narbe_2Nichts. Gerade einmal die schwachen Lichtstrahlen, die sich durch die Schlitze der Rollläden den Weg in den Raum bahnen, aber im Keim des kleinen und doch im Halbdunkel so riesig, ja gerade zu erdrückend wirkenden Zimmers, erstickt werden. Einfach So. Als wären sie die Hoffnung und der Raum die Realität, geballt in einem riesigen, steinernen Klippenabschnitt an dem jeder noch so mutige und geübte Kapitän während eines Sturmes zerschellt. Leere woran man auch denkt und Mauern wohin man auch abschweift. Blick in den Spiegel. Nichts. Eine unbekannte, bleiche, Person, ein unbekanntes Gesicht, ein schwacher, müder Blick, leer und eine doch erschreckend bekannte Träne. Sie rinnt die Wangen herab und zerspringt auf dem Steinboden. Ohne einen einzigen Ton. Einfach so.

Der Wasserhahn tropft im Takt des Herzschlags und spielt die passende Sinfonie zu einer lähmenden, traurigen und farblosen Kulisse. Die brennende Zigarette im Aschenbecher bildet eine Nebelbank im Raum und trübt die Sicht, die Sicht auf das Wesentliche. Auf das, was wirklich zählt… Doch zig Versuche eines Amateurs die Professionalität des Lebens nicht an sich herankommen zu lassen, schlagen schief. Einfach so. Eine Seifenblase, sie platzt, eine Zweite, eine Dritte, doch sie alle scheitern am Weg nach oben, an die Spitze. Dutzende Ansätze alles in Einklang zu bringen, zu ordnen, sachlich und objektiv, doch tausende Gedanken die einem durch den Kopf gehen, subjektiv, unsachlich, chaotisch. Und doch leer auf ihre Art und Weise. Geräusche im Treppenhaus. Eine Million leere Gedanken und ein Schlüssel der ins Schloss gesteckt wird. Ein metallischer, alltäglicher Klang, der einem zum jetzigen Zeitpunkt gefrieren lässt, einen lähmt. Das Denken endet, das Hoffen beginnt. Ein lautloses Gebet, ein Flehen, ein lautloser Schrei, doch man wird nicht erhört, wen auch immer man bittet. Das Glück, das Schicksal, Gott… man wird ignoriert. Einfach so.

Der Atem wird langsamer, kommt ins stocken, ein tiefer Zug und man hält die Luft an, schließt die Augen, beginnt die Sekunden zu zählen, die Augenblicke. Man hofft die Augen zu öffnen und an einem anderen Ort zu sein, in einem anderen Körper, einer anderen Vergangenheit, Zeit zurückdrehen, nicht erwachsen. Einfach so.
Man traut sich nicht die Augen zu öffnen, weil sich nichts ändern wird und der Schlüssel dreht sich, die Tür wird geöffnet und fällt fast lautlos wieder ins Schloss. Und das kaum hörbare Geräusch dröhnt im Kopf, hallt tausendmal wieder,
ein Echo,… Ein Echo das Angst macht. Eine unmöglich abwendbare Situation und ihre Ouvertüre. Ein erneutes greifen zur Zigarettenschachtel, die Augen immer noch zusammengekniffen, man greift daneben und öffnet sie doch. Und wie befürchtet, nichts hat sich geändert. Man blickt in die soeben angemachte Flamme, sieht wie sie tanzt, und fühlt das Leben für einen Moment, im Nächsten nicht mehr. Ein tiefer Zug, bis ganz nach unten, man stärkt seine Persönlichkeit, für einen Augenblick, für einen Wimpernschlag und eine weibliche Silhouette betritt den Raum. Ohne Worte, öffnet die Rollläden, kommentarlos, das Licht bricht in den Raum, durchflutet ihn, gelangt in jede Ecke und stößt einen vor den Kopf, Zwei Blicke die sich treffen… Und mit ihrer ganzen Stärke und Arroganz steht sie da: ,,Wir müssen reden“. Einfach So.

Benjamin Krischke

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