driceIrlands beliebteste Exportprodukte sind der vorzügliche Whiskey, erstklassige Literatur und vor allem eine ganze Reihe außergewöhnlich talentierter Musiker. An ihrer Spitze steht der Dubliner Sänger Damien Rice. Begnadet mit einer brüchigen Stimme die Jahrelang in einem Fass voll Melancholie gereift zu seien scheint, veröffentlichte er 2006 sein zweites Soloalbum mit dem schlichten Titel „9″

Und schon die ersten spärlichen Klavierakkorde des Openers 9 Crimes ziehen den Hörer in ein musikalisches Konstrukt mit Wänden aus Tränen, Böden aus Sehnsucht und einem Dach aus tiefer Emotionalität. Die feengleiche Stimme Lisa Hannigans betritt diesen Raum mit zarten Füßen, das sensible Organ Rices kommt vorsichtig dazu und beide treffen sich auf einem Teppich sanfter Streicher um einen intimen, poetischen Tanz zu vollführen.
Das ganze ist zwar pathetisch und mit einer dicken Glasur Herzschmerz überzogen, doch so intensiv und bannend, dass der Gehörgang, von der Feder „9 Crimes“ gekitzelt, nach weiteren Traum-Flügen durchs Rice-Universum lechzt.

Getragen von einer zurückhaltenden, akustischen Gitarre folgt auch gleich das nächste Highlight des Albums: „The Animals were Gone“. Eine Liebesballade, erneut im Duett mit Hannigan, die spärlich beginnt sich immer weiter aufbaut, steigert, Streicher und Schlagzeug mitnimmt und in einem choralen Finale Gipfelt: Gänsehaut!

Doch der irische Barde weiß zu verblüffen. Denn das ziselierende Lichtspektrum dieses Albums beschränkt sich bei weitem nicht auf den melancholisch triefenden Trademarksound den Rice schon auf seinem Debüt „O“ eindrucksvoll vorstellte. Das von einer rockigen E-Gitarre getriebene, Temporeiche „Me, My Yoke and I“ stellt den Sänger als Virtuosen im Umgang mit den Klangfarben seiner Stimme vor. Samtweiche, stille Töne wechseln sich ab mit energiegeladenen kraftvollen Passagen die den Atem rauben.
Diese rasanten Sprünge, untermalt von vielseitigen Arrangements überraschen immer wieder. Auch im hoffnungsvoll leicht dahinflanierenden „Dog“ und im heimlichen Kronjuwel der Platte „Elephant“. Hier zieht der Dubliner zuerst alle Register seiner melancholisch gestimmten Orgel, badet mit brüchigen Stimmbändern in tiefem Trennungsschmerz, um den Tränen schlussendlich über wütenden Schlagzeugfanfaren mit den Worten „This has got to die, this has got to stop“ ein Ende zu setzen.

Das alles ist großartig arrangierte, einfühlsame, auch textlich mitreißende Popmusik voller Herzschmerz, voller echter Emotionen, voller begeisternder Momente. Damien Rice, der fast alle Instrumente auf „9″ selbst einspielte etabliert sich damit auf dem Songwriter-Olymp. Er ist gereift wie ein guter irischer Whiskey: zum Wohle.

Tobias Tzschaschel

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