ap_33787_farbverlauf-330_2_2_21Eine Million Grad im Inneren des Feuerballs. Eine Million. Ein Meteor dessen Aufprall eine über 200.000 Einwohner große Stadt in weniger als einer Minute zerfetzt. Mit einer Hitzeeinwirkung, dass selbst zehn Kilometer entfernte Bäume lodernd in Flammen aufgehen. Begleitet von einer Aschewolke die dreizehn Kilometer in den Himmel ragt und noch aus 560 Kilometern am Horizont zu erkennen ist. Und doch bleibt es nur ein kleiner Junge, der Hiroshima am 6. August 1945 um 8:15 Uhr dem Erdboden gleich machen wird – verglichen mit der Zerstörungskraft heutiger Massenvernichtungswaffen.

Man misst Sprengkraft im TNT-Äquivalent. So beinhalten handelsübliche Feuerwerkskörper nicht mal ein Gramm des Sprengstoffs. Warum wird schnell deutlich. Sprengsätze von terroristischen Anschlägen, wie die der RAF zum Beispiel,  haben meist eine Sprengkraft von einigen Kilogramm TNT – genug um ein Beben der Stärke 4 herauf zu beschwören. Little Boy, die Atombombe von Hiroshima, kam auf eine Sprengkraft von fünfzehn Kilotonnen, eine unvorstellbare Zahl. Zar jedoch, die stärkste je gezündete Wasserstoffbombe überhaupt, kam auf eine Sprengkraft von 60 Megatonnen. Eine Kragenweite, die auf der Erdbebenskala den Einschlag eines gigantischen Asteroiden voraussetzt, ein 3.800-mal stärkeres Hiroshima. Spürbar, selbst auf der entgegengesetzten Seite der Erde.

Dort machten sich die australischen Entwickler der Carlos Labs daran, Google Maps in eine Art  Nukleartestgebiet zu verwandeln. Zur Auswahl stehen dabei alle jemals produzierten Waffentypen, als Ziel jeder erdenkliche Ort der Erde. Moskau zum Beispiel, das letztes Jahr noch verkündete rund 145 Milliarden Euro in neue Waffen zu investieren, wäre in Sekundenschnelle ein für immer unbewohnbares 15 Millionen-Grab. Und beileibe nicht unschuldig daran. Denn Russland besitzt noch immer mindestens 14.000 nukleare Sprengköpfe und bricht damit den einzigen Vertrag den die Menschheit zum Schutz gegen die atomaren Massenvernichtungswaffen überhaupt besitzt – den Atomwaffensperrvertrag.

Seit 1970 verbietet dieser die Verbreitung von Kernwaffen und ist mittlerweile von 189 Staaten ratifiziert. Damit ist der Vertrag  in nur vier Ländern der Welt kein geltendes Recht; vier Staaten jedoch, mit unendlichem Konfliktpotential und allesamt im Besitz der Atombombe, namentlich: Indien, Israel, Nordkorea und Pakistan – die Achse des Ungewissen. Doch deren Handeln bleibt tragischerweise nachvollziehbar, denn neben dem Verbot der Verbreitung  verpflichten sich  alle Mitgliedsstaaten auch zum kompletten Abrüsten ihrer bisherigen Waffenbestände. Einen Punkt, den die Vereinigten Staaten von Amerika nicht verstanden haben können. So modernisiert man dort lieber das vorhandene Arsenal, statt die moralische Integrität zu wahren und verspielt damit selbst die sonst so gern propagierte Vorbildfunktion. Das man außerdem Rüstungskontrollen im eigenen Land strikt ablehnt, tut sein Übriges. Doch das ist längst nicht alles. Auch der dritte Gegenstand des Vertrags, die diskriminierungsfreie Nutzung ziviler Nukleartechnologie für jeden Mitgliedsstaat, ist eine reine Farce. Der iranische Atomkonflikt hat eindeutig gemacht, dass man sich in der westlichen Welt nicht auf eine „sichere“ Lösung einigen kann. Trotzdem scheint das Thema nukleare Abrüstung keine politische Priorität zu besitzen und wird behandelt wie ein Relikt aus vergangener Zeit. Wenig verwunderlich eigentlich, wenn man bedenkt, dass die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats mit Vetorecht, ausnahmslos Atommächte sind und über 99 Prozent des weltweiten Nuklearbestands verfügen.

Robert Iwanetz

Advertisements