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,,ES GEHÖRT ZUR STAATSRÄSON AUF DER SEITE ISRAELS  ZU SEIN“

– Das Verhältnis zwischen unverständlichen Facetten, israelischen Sprachrohren und der Hetze auf die islamische Welt

Menschen demonstrieren, pro-israelische Fahnen wehen durch die Straßen der Münchener Innenstadt. Auf etwa 1000 Menschen wurde jene Demonstration angesichts der Operation ,,Gegossenes Blei’’ und dem klaren Solidaritätsbeweis gegenüber dem noch so jungen Staat Israel, damals geschätzt. Dieser bedingungslose Solidaritätsbeweis ist ziemlich genau ein halbes Jahr her. Doch die Diskussionen reissen nicht ab. Vor allem mit Blick auf die neue israelische Regierung, deren Außenminister sich klar anti-arabisch demonstriert und einmal sogar sagte, dass zionistische Interessen wichtiger als demokratische seien. Auch der Zentralrat der Juden unter Leitung von Charlotte Knobloch, wirbt ebenso stetig für einen unabhängigen und bedingungslos zu akzeptierenden Staat Israel, wie die deutsche Regierung. Wenn es jedoch um arabisch-stämmige Menschen geht, wird der Ton schärfer, geradezu weniger bedingungslos, denn vieles hat sich geändert. Seit dem 11.September, einem Datum dass nur noch mit dem Anschlag in New York in Verbindung gebracht wird, scheint alles anders. Und Türken und Araber sind die leidtragenden. Ist der Islam eigentlich in seiner Basis eine absolut pazifistische Religion, so wird er heute, im 21. Jahrhundert, weniger mit großer Disziplin, den Säulen des Glaubens und dem Gebet Richtung Mekka in Verbindung gebracht, sondern mit Angst und Schrecken. Leider auch dank Medien und Filmindustrie. Vor allem im Vergleich zwischen Israel und der arabischen Welt könnten Facetten nicht größer sein. Nach den Themen Integration und Bildung in Deutschland, stand Fuad Hamdan, Leiter des Dritte-Welt-Zenrums München, und ehemaliger palästinensischer Flüchtling auch zu diesen Themen Rede und Antwort. Ein Gespräch aus der Sicht eines Menschen, der weiß, was es bedeutet vermeintliches Unverständnis, als tagtäglichen Begleiter, mit sich zu führen.

Von Sprachrohren und Meinungsmacherei

Inwiefern spielt denn die deutsche Vergangenheit eine Rolle, dass sich manche Politiker nicht trauen Integrationsprobleme öffentlich anzuprangern?

Ich sehe nicht, dass sich die deutsche Politik nicht traut, Geschichte hin oder her, Probleme anzusprechen. Ganz im Gegenteil. Wenn es um Türken oder Araber geht, dann sind die deutschen Politiker, vor allem jene von CDU und CSU, nicht auf den Mund gefallen. Da wird auch drauf gehauen wie sonst was. Bei jüdischen Themen jedoch, hat Jeder Angst sich die Finger zu verbrennen. Im Angesicht der Geschichte, haben die Deutschen bezüglich der Juden gelernt, bezogen auf Türken und Araber nicht.

Würden Sie sich wünschen, dass auch der Zentralrat der Juden mehr Kritik zulässt?

Ich fordere das sogar. Ich möchte dass man die Juden endlich behandelt wie normale Menschen. Der Zentralrat der Juden ist eigentlich zuständig für die Belange der Juden in Deutschland. Aber noch mehr ist der Zentralrat ein Sprachrohr der israelischen Botschaft. Eigentlich sollten sie die Interessen der Juden in Deutschland verteidigen, sie verteidigen aber die Interessen Israels in Deutschland. Das ist nicht ihre Aufgabe. Und hier traut sich kein deutscher Politiker es mit dem Zentralrat der Juden aufzunehmen. Denn würde er dies tun, dann wäre seine Karriere beendet.

Der Zentralrat der Juden als Gegenbewegung zur Demokratie und freien Meinungsäußerung?

Nein, das wäre zu krass gesagt. Der Zentralrat der Juden versucht jede kritische Meinung über Israel zu unterbinden. Es liegt aber an uns Deutschen, ob wir das zulassen wollen. Der Zentralrat hat es geschafft das sich keiner der politischen Elite traut seine Meinung zu äußern. Mir hat mal eine SPD Stadtpolitikerin im Gespräch gesagt, dass würde sie die Dinge öffentlich sagen, die sie mir in einem vertrauten Gespräch sagt, dann wäre sie politisch tot. Ihre Meinung war jedoch keineswegs radikal. Und diese Aussage gilt für lokale Politiker genauso wie für Bundespolitiker. Ich hatte viele Gespräche mit Landtagsabgeordneten, die mir unter vier Augen Vieles gesagt haben. Aber deren Feigheit ist zu groß, um kritische Meinungen über Israel, auch öffentlich darzulegen.

Bedingungslose Solidarität und Schachmatt

Wie kann man denn einerseits Israel und den Zentralrat der Juden schalten und walten lassen wie ihnen beliebt, aber andererseits den sogenannten Kampf gegen den Terror und eine, man könnte sie Hetzjagd gegen die arabische Welt nach 9/11 nennen, zu unterstützen? Warum sind die Facetten so extrem?

Das ist eine sehr gute Frage. Ich denke es gehörte eine zeitlang zum guten Ton, dass man gegen den Islam proklamiert und die islamische Gefahr aufbauscht. Hier hat natürlich auch die Regierung Bush ihre Finger im Spiel. Weniger George Bush selbst, sondern eher all die Experten und klugen Köpfe im Hintergrund. Kampagnen wurden gestaltet und Europa hat mitgemacht. Das war für mich unverständlich. Es ist immer das gleiche Muster. Wir haben Saddam Hussein aufgerüstet und ihn gegen den Iran gepusht. Als sein Job getan war, haben wir dann ein Monster aus ihm geschaffen, weil wir feststellen mussten, dass er unseren Vorstellungen wohl doch nicht entspricht. Die Kriegsmaschinerien wurden in Gang gesetzt, denn er musste weg. Das selbe taten wir auch mit Gaddafi. Und jetzt ist er auf einmal keine Gefahr mehr und bekommt sogar Besuch von Berlusconi und Schröder. Es geht ganz einfach nur um Interessen.

Und die Rolle der deutschen Medien?

In Deutschland selbst gibt es drei Blöcke. Springer, Bertelsmann und Burda. Die drei großen Verlage sind eindeutig stramm pro-westlich. Jegliche Kritik an der westlichen Politik wird in Grund und Boden geschrieben. Es war noch nie gut wenn die Medien in wenigen Händen konzentriert sind. Diese Medien lassen sich missbrauchen um Horrorszenarien mit aufzubauen. Ungeprüfte Nachrichten von irgendwelchen Geheimdiensten werden weitergegeben und publiziert. Kritisches Hinterfragen ist nicht mehr vorhanden. Deshalb entsteht dieses Bild eines terroristischen Islams. Immer das selbe Spiel. Ob Hussein oder der Iran, es wiederholt sich immer wieder.

Als die USA damals in den Irak invadierte, protestierten tausende Menschen gegen die Bombardierungen und daraus resultierenden Todesopfern. Bush wurde verhöhnt, beschimpft und die USA nicht mehr so gesehen wie sie einst gesehen wurde. Als Israel ihren letzten großen Schlag gegen die Hamas führte gingen in München Tausend Menschen auf die Straße und zeigten sich solidarisch mit Israel. An diesem Tag lag die vermutete Zahl der Todesopfer bei etwas weniger als 1000 Menschen. Wie fühlen sie sich angesichts solcher Reaktionen?

Also zuerst möchte ich erwähnen, dass es genauso pro-palästinensische Demonstrationen, vorwiegen natürlich mit arabischer Beteiligung gab. Bei etwa 4000 Demonstranten waren gerade einmal 200 bis 300 Deutsche involviert. Diese Demonstrationen waren wesentlich größer als jene für Israel. Viele Deutsche haben sich aber nicht getraut mitzudemonstrieren. Man wollte sich nicht auf die Seite der Hamas stellen.

1000 Menschen auf dem Marienplatz wurden im BR gezeigt und in allen Medien war diese pro-israelische Demonstration vorhanden. Unsere Demo war um ein vielfaches größer, wurde aber bei weitem nicht in diesem Umfang behandelt. Das BR interessierte sich für unsere Kundgebung gar nicht. Vor ein paar Jahren hielt Frau Knobloch eine Rede auf dem Marienplatz gegen den Terror. Das BR berichtete sogar live.

Ein letzter Aspekt?

Wir haben die diesjährigen Palästinensertage in München organisiert und hoffen natürlich das die Medien über uns berichten. Letzte Woche war ein Israeltag in der Stadt. Dazu gab es TV Berichte und Artikel in der SZ. Der Bürgermeister von München Christian Ude war Schirmherr dieses Israeltags. Wir haben ihn gebeten ebenso die Schirmherrschaft für unsere Palästinensertage zu übernehmen. Er hat abgelehnt. Wie Frau Merkel einst gesagt hat und die Bundesregierung auch offiziell propagiert, gehört es schlicht und einfach zur Staaträson, auf der Seite Israels zu stehen und zu bleiben. Und man macht keinen Hehl daraus. Und das macht Frau Merkel, wie ich einst gesagt habe, zur Komplizin des israelischen Staatsterrors.                               BenK

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