DSC00006Beim Thema Street Art scheiden sich die Geister. Was darf man, was nicht, wo hört Kunst auf und fängt die Zerstörung von Eigentum an? Sogar spezielle Sokos Graffiti wurden in den letzten Jahren von der Polizei und der Regierung ins Leben gerufen um die wohl strittigste Auslegung von Kunst einzudämmen. Häuser werden durchsucht, Skizzenbücher sogenannte Blackbooks beschlagnahmt und Photos von den Tatorten verglichen. Doch es geht auch anders.

Denn in Augsburg haben sich am vergangenen Wochenende 12 junge Graffitikünstler zusammengeschlossen um eine sogenannte Hall einzuweihen. Eine Hall ist meist eine Unterführung oder ein stillgelegtes Fabrikgelände auf dem Sprayen unter bestimmten Auflagen, von Seiten der Stadt, genehmigt wird. So soll jungen Leuten, für die Graffiti nicht Schmiererei sondern Kunst bedeutet die Möglichkeit geboten werden ihrem Hobby nachgehen zu können und das was es dort zu sehen gibt ist mit Sicherheit als Street Art zu beschreiben.

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Mike, Moe, Marco und Simon haben es geschafft. Im Stadtrat hat sich einer der Mitarbeiter, zuständig für die Augsburger Jugend, für die jungen Künstler ein- und durchgesetzt. Seit Freitag haben sie die offizielle Erlaubnis der Stadt Augsburg in den Händen, die sie dazu berechtigt in einer alten Unterführung im Stadtteil Göggingen ihre Styles auf die Wände zu malen. Nachdem die Jungs in verschiedenen Schichten und mithilfe von verschiedenen Leuten zu aller erst beide Wände, die durch eine kleine Brücke und die Wertach getrennt sind, Grau gestrichen haben, konnte die Einweihung am Samstag losgehen. So lebten insgesamt 12 Künstler, um die 24Jahre alt, ihr Hobby aus, sogar eine Biergarnitur und ein Grill wurden besorgt, die Musik über das MP3 Laufwerk eines der Autos unterstrich mit Old School und New School Hip Hop gleichermaßen die Atmsophäre.

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Zur Einweihung waren sogar drei Sprayer aus Zwickau angereist, mit denen sich insgesamt zehn der Künstler zu einer sogenannten Crew zusammengeschlossen haben. Bereits ein paar Tage vorher fuhren ein Paar der Jungs nach Zwickau um dort zu sprayen und so war es das Mindeste, was sie tun konnten, die ,,Ossis“ wiederum zu sich einzuladen, wie einer der Sprayer feststellte. Die Stimmung war gut und wurde auch durch eine, von einem Passanten gerufene, Polizeistreife nicht unterbrochen. Denn ganz im Gegenteil zu allen Vermutungen gab es fast durchweg positives Feedback für die Künstler, da gerade in diesem Gebiet viele Familien und Rentner die Sonnenstrahlen bei Spaziergängen und Fahrradtouren genießen. So trafen die Generationen aufeinander, doch der Knall blieb aus. Und der Feiertag Augsburger Friedensfest machte seinem Namen alle Ehre.

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Doch gibt es gerade in der Sprayerszene auch viel Negatives zu berichten. Verständnislose Konkurrenzcrews, die bereits bei Kleinigkeiten Stress verursachen, birgt das wohl negativste Bild in der Szene. Bereits beim Übermalen eines älteren Styles oder das sogenannte taggen kann zu mehr als nur einer simplen Diskussion führen.  ,,Doch mit sowas wollen wir nichts zu tun haben“ und weiter ,,eigentlich sollte die Szene sogar eher zusammenhalten, denn letztendlich sitzen alle in einem Boot“, sind Aussagen über die sich alle Jungs einig sind. Ist es doch manchmal schon schwer genug im tiefschwarzen Bayern einem so neumodischen Hobby nachzugehen.

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Ein weiteres positives Resumee bleibt aber doch noch zu ziehen. Denn manche Passanten interessierten sich nicht nur für die dortigen Styles sondern überlegen sogar die Dienste der Jungs auf ihrem Privatgelände oder in Kindergärten aufleben zu lassen. So wurden nicht nur Philospophien und Einführungen in die Graffitiszene ausgetauscht sondern auch Nummern und Adressen, die wiederum zu einem privaten Auftrag führen können. Denn ist Graffiti nicht nur ein schön anzusehendes Hobby sondern hat auch seinen Preis. Eine Dose kostet zwischen 3 und 4 Euro und welcher Maler wagt sich schon an seine Kunst, wenn er nur zwei Farben in seiner Tasche hat. Und genau das ist es was die Jungs auch fabrizieren: Kunst. Aber weder Impressionismus, noch Romantik oder Pop Art sondern ihre eigene Kunstform. Street Art.

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